Jahreskartendilemma |
Unter den vielen Plastikkarten die meinen Geldbeutel bevölkern versteckt sich eine, die zu gleich sehr teuer und sehr wertvoll ist: Ich bin Träger einer Bahncard 100. Das gute Stück ist habe ich genau vor einem Jahr für 3500 € erworben, es ist genau ein Jahr lang gültig und ab morgen wertlos.
Auf der einen Seite ist der Preis natürlich schockierend, auf der anderen Seite bin ich im letzten Jahr fast jede Woche zwischen Ost und West hin- und hergependelt. Die selbe Strecke mit dem Auto zurückzulegen wäre zwar ein wenig schneller möglich gewesen, dafür ist Zugfahren aber wesentlich entspannter.
Ja, ich fahre gerne Zug. Im Zug ist einfach mehr Platz. Man kann lesen, Schlafen, aus dem Fenster schauen und natürlich auf den Laptop einhacken. Während andere dafür sorgen, dass man pünktlich und sicher ans Ziel kommt, kann man sich auch mal die Beine vertreten oder eine Kaffee holen. Auf diese Weise wird die Fahrzeit von über 6 Stunden erträglich und ist vorallem keine verlorene Zeit.
Nun ist also wieder der Zeitpunkt gekommen, an dem ich tief in meinen Geldbeutel greifen muss um eine neue Bahncard 100 für die nächsten 12 Monate zu kaufen. In der Zwischenzeit hat die Bahn übrigens die Tarife erhöht. Die neue Bahncard kostet nun 3650 € und da ich solche Beträge natürlich nicht einfach der Portokasse entnehmen kann, muss diese Investition wohl überlegt sein.
Trotz der Vorzüge des Zugfahrens bin ich kein zufriedener Kunde der Bahn . Das fängt mit der Pünktichkeit der Züge an. Wie oft habe ich schon den Satz: "Unser Zug wird in XY voraussichtlich 4 Minuten später eintreffen " gehört? Tatsächlich bleibt es aber nie bei 4 Minuten - es werden meisten 7. Als Folge davon ärgert man sich nicht nur über die Verspätung, sondern auch über das Personal. Ich habe mich oft gefragt warum in solchen Fällen nicht einfach 10 Minuten Verspätung angekündigt werden. Wenn es dann hinterher nur 8 werden freuen sich alle und der Zugchef kann bei der Weiterfahrt verkünden, dass 2 Minuten aufgeholt wurden.
Doch leider scheint dem Personal (bzw. deren Chefs) nichts an der Zufriedenheit ihrer Kunden zu liegen. Freundliche oder zuvorkommende Behandlung habe ich subjektiv noch nie erfahren. Weder im Zug noch im Bahnhof. Als Kunde wird man nicht königlich sondern eher wie ein Bittsteller behandelt. Ich erinnere mich da z.B. an die Rückererstattung der Kosten für eine Taxifahrt welche durch diverse bürokratische Hürden erschwert wurde.
Weiter geht es mit dem schlechten Kaffee, der im Zug serviert wird. Dazu passend sind die teuren aber mittelmäßgen Mikrowellen-Snacks. Und da ich es gerade vom Personal hatte: dieses Personal hat mit Sicherheit kein Trinkgeld verdient. Dafür werde ich aber komisch angeschaut wenn ich mir das Rückgeld für einen 2-Euro-90-Milchkaffee rausgeben lasse.
Als nächsten Punkt möchte ich die ICE-Achsen-Panne im Herbst ins Gedächtnis zurückrufen. Seit mitte Januar (nach 3 Monaten) fahren die ICEs wieder. Allerdings verkehren auf der Strecke nach Dresden nun fast keine (ICEs) mehr. Daruüber hinaus wurden einige Verbindungen gestrichen. Tatsächlich fehlen mir ein paar Züge mit denen ich im letzten Jahr gerne gefahren bin. Im Grunde habe ich für diese Züge ja auch bezahlt.
Ob nun ICs oder ICEs verkehren spielt bei dieser Strecke keine Rolle. Der ICE fährt zwischen Frankfurt und Dresden sellten schneller als 140km/h. Was mir aber ein wenig fehlt ist der ICE-Komfort. Dort gibt es z.B. an fast jedem Platz eine Steckdose und der Zug selbst ist wesentlich leiser. Die ICs hingegen wirken oft aus Regionalzügen zusammengestückelt. Meist gibt es nur ein oder zwei Wägen mit komfortablen IC Abteilen, der Rest besteht aus diesen Ratterwagen mit grünen Klappmobiliar, die entweder hoffnungslos überheizt oder es furchtbar zieht. Das alles gibt es bei einer Bahncard 100 inklusive.
Darüber hinaus könnte ich noch von vielen Zugfahrten berichten und euch noch lange mit meinen Nörgeleien langweilen. Zusammenfassen kann ich nur sagen, dass ich als Kunde der Bahn die Bahn wirklich nicht empfehlen kann. Doch was bleibt mir anderes übrig? Ich werde mich damit abfinden mussen und mich mit dem Kauf einer Bahncard 100 ein weiters Jahr diesem Unternehmen ausliefern. Auf Besserung zu hoffen hat wohl keinen Sinn, vorallem, da dem Bahnchef der geplante Börsengang wichtiger ist als die Kunden.
Bei uns in Österreich ist es mit den ÖFFIS auch nicht viel besser.
Das Service ist völlig unzureichend die Preise für das gebotene viel zu TEUER.
Keine Anschlussmöglichkeiten, lange Wartezeiten, von der Reinlichkeit ganz zu schweigen.
Man überlegt es sich, wieder auf`s Auto umzusteigen.
Die Kunden sind in KEINER öffentlichen Institution wichtig.
Alles nur Herdentiere die bezahlen müssen, was andere wieder als Profit einstreichen.
Trotzdem, viel Vergnügen beim Bahnfahren ????











Hallo Schatzlmutzane,
das es in anderen Ländern auch nicht anders ist, macht die Sache zwar nicht besser, ist aber immerhin ein Trost.
Apropos andere Länder: Die Schweizer sind wohl sehr stolz auf ihre Bahn. Soviel ich weiss verzichtet man dort aus güten Gründen auf die Privatisierung und Börsengänge. Aber wahrscheinlich ist das Gras woanders immer grüner :-)
Gruß Truss